Einbildungshaus
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In der Kulturpolitik soll man mal nicht so sein.

01. August 2008

Über Großzügigkeit

Ja Frau Müller, wenn Sie so gut wissen, wo es lang gehen soll mit der Kultur, dann erklären Sie uns doch bitte mal, wie Ihrer Meinung nach die Kulturpolitik in einer kleinen Großstadt  aussehen müsste. Na mein Herr, jetzt werden’ s aber sehr direkt. Mir soll es Recht sein. Ich bin ja nicht so. Ich bin ja nicht so, sollte unser Gespräch im Übrigen sowieso prägen. Man muss ja nicht immer gleich beleidigt sein. Gell? Kennen Sie den Hans-Jürgen Hafner? Natürlich nicht. Naja Sie kennen ihn vielleicht schon, aber Sie erinnern sich nicht mehr an ihn. Der junge Herr Hafner war vor noch nicht vielen Jahren in Regensburg aktiv, als Künstler, im Umfeld der nun weltberühmten Galerie von Michael Zink, heute in München, Berlin und NYC, früher Zink und Gegner und in der Oberen Bachgasse in Regensburg. Der Hafner und noch so ein junger Revoluzzer, haben seinerzeit so genannte „Interventionen“ im öffentlichen Raum veranstaltet. Mein Mann hat sich gleich aufgeregt, obwohl ihm eine Aussichtsplattform (eine Art Stehleiter!?) im Park ja nicht wehgetan hat. Aber er sperrt sich gern ein bisschen gegen den Weitblick, der Meine, aus Prinzip. Aber gütiger Heiland, er kann halt auch nicht leicht aus seiner engen Haut. Der Hafner war dann 2001 zum Kongress „Kultur findet Stadt“ in Regensburg, mit der zugegeben provokanten These: „Regensburg hat viele schöne Rahmen aber lausige Inhalte.“ Er wurde eingeladen, weil er international gefragt ist, als Kurator, Kunst- und Kulturkritiker für wichtige Zeitschriften. Jetzt dann, Ende Oktober kuratiert er die Ausstellung „Difference, what difference?“ anlässlich der wichtigsten deutschen Kunstmesse ART FORUM BERLIN. Wenn man solche Leute nicht integrieren oder zurückholen kann, und sei es temporär, dann erleidet man den so genannten Braindrain. Wissen’ s was das ist? Das ist das Gegenteil von „beste Köpfe nach Regensburg holen.“ So kleine Großstädte, mit einem manchmal verstaubten und nach hinten gerichteten Kulturbegriff haben es da schwer, die Guten zu halten und die Gefragten zu bekommen. Da muss man um jeden froh sein, der bleibt oder nach gewissen Erfahrungen in der großen, weiten Welt zurückkommt. Das verstehen Sie doch mein Herr? Ja das versteh ich schon Frau Müller, aber wie soll das denn gehen? Meinen Sie, man könnte die Galerie Wittenbrink zurückholen in die Ratisbona? Na des glaub ich nicht. Der Wittenbrink ist ja heute ein Galerist mit größtem internationalem Renommee. Bettina Frahm und Dieter Gössler waren extrem engagierte Tanzmeister am Regensburger Theater, aber sogar die sind weggegangen, nach ihrer aktiven Zeit. Und die jungen Leute aus der freien Szene? Wird man Tanzstelle R halten können? Gibt es genug Anerkennung, ja überhaupt Kenntnis von ihrer Existenz? Ja, Frau Müller, das Problem ist ja jetzt bekannt, wie schaut aber die Lösung aus? Na mein Herr, da fragen Sie mich? Wäre das nicht die Aufgabe der kommunalen Kulturpolitik? Aber einen Vorschlag kann ich natürlich machen, mein Herr. Sie kennen ja vielleicht das Schlachthof-Gelände im Osten. Der Regensburger Osten erlebt gerade eine dramatische Veränderung. Dramatisch meinen Sie Frau Müller? Na ich denk schon. Ich sag nur Zuckerfabrik. Zumindest könnte sie so verlaufen, die Veränderung, dass man etwas wagt, eine zukunftsfähige und nicht nur eine so la la funktionierende Stadt in der Stadt, das so genannte Marina Quartier. Mitten drin, der alte Schlachthof. Dort könnte eine Künstlerkolonie entstehen, mit Ausstellungs- und Veranstaltungshalle und Ateliers, in Genre übergreifender Ausrichtung und mit einem kommerziellen Partner, den Immobileinverwertern, die profitieren ja davon, damit das keine reine Subventionsgeschichte wird. Dann können’ s junge Leute sogar aus München anlocken, bei den Mieten dort. Dann können’ s den Spieß mal umdrehen. Dann wären wir mal am Drücker. Gell?


Grafikdesign: Philipp Starzinger